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Ausstellung im Rittersaal Stift Millstatt

Von Kuratorin Mag. Silvie Aigner, 2009

Das Spiel mit Form- und Sinnanalogien spielt in den Arbeiten von Markus Hofer konsequent eine zentrale Rolle. Die zunächst als ironisch-subtile Anmerkungen verstandenen Titel hinterfragen unsere eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit. Diese basiert auf einer „private reality“ (Markus Hofer), geprägt durch den jeweiligen sozialen und kulturellen Hintergrund. In der Konfrontation mit einem Gegenstand wie z.B. einem Gartenschlauch oder einem Boiler erfolgt eine Transformation der Wahrnehmung. Kaum jemand betrachtet diese Gegenstände aus einem formal-ästhetischen Gesichtspunkt – außer Markus Hofer - dem als Bildhauer vor allem die äußere Form interessiert. Die ursprüngliche Funktion macht er sich jedoch zunutze, um Begrifflichkeiten wie Flachwasser u.a. bildlich umzusetzen und rückt damit die schlichte Banalität der Gegenstände wieder ins Blickfeld. Die Grenzziehung zwischen Kunst und Alltagsgegenstand ist dabei ebenso komplex wie mannigfaltig.

Im Rittersaal widmet sich Markus Hofer Gegenständen, die als Wasserspender- oder -behälter verwendet wurden. Die aus dem häuslichen Bereich bekannten Gegenstände werden durch Wort- und Begriffsfindungen und das Material neu interpretiert und „lassen die Arbeit als Befreiungsschlag der Kunst aus dem Milieu des allzu Profanen erscheinen“ (Maximilian von Geymüller).

An der Grenze zwischen Kunst und Alltäglichkeit evoziert Markus Hofer einen kurzen Augenblick des Innehaltens, weil wir irritiert sind, den uns vertrauten Gegenständen in einem veränderten Kontext zu begegnen und am Wesen der Dinge zweifeln. Er arbeitet mit Fundgegenständen und verlässt dennoch nicht die Parameter skulpturaler Begriffe wie Raum, Zeit und der Frage des Materials. Die sich in den Raum ergießenden Farben, die angehaltenen Tropfen, suggerieren einen Augenblick des Stillstands zwischen einem Davor und Danach. So stellt Markus Hofer die gängige Infrastruktur unseres Alltags in Frage. Ein Wasserhahn, eine Steckdose oder ein Gartenschlauch werden zu Kunstgegenständen, die seiner Interpretation der Realität als ein System von Variablen entsprechen.
Doch auch diese sind nur ein Bild von vielen möglichen Bildern des Lebens.


Innenhof Stift Millstatt

Für den Innenhof des Stiftes hat Markus Hofer bereits 2008 mit der Installation Nasszelle (Erinnerung an ein nie stattgefundenes Telefonat), einen neuen öffentlichen Kunstraum im Stiftshof von Millstatt geschaffen und setzt damit bis 2009 ein markantes Zeichen für die zwei Jahre umfassende Ausstellungsreihe Wasser.Leben. Die Inszenierung beinhaltet mehrere Deutungsversuche, in der die Verschränkung einer örtlichen und zeitlichen Dualität einen wesentlichen Schwerpunkt bildet. Einerseits dokumentiert die Telefonzelle eine klare öffentliche Situation, die jedoch von einer privaten Begebenheit, einer Zimmerüberschwemmung bespielt wird. Das schwimmende Telefon ist sowohl ein Hinweis auf das private Umfeld wie aber auch genau der Gegenstand den man jetzt brauchen würde, nachdem man den Wasserhahn abgedreht hat. Durch die Verwendung eines alten Waschbeckens und eines Standtelefons, das dem Design nach ungefähr aus der Zeit stammt wie die Telefonzelle selbst, rückt die Szene in die Vergangenheit und ist dennoch Bestandteil einer unmittelbaren Gegenwart des Betrachters.